Was heute noch ungenutzt durch die Kanalisation fließt, soll morgen zur regionalen Wärmequelle werden: Mit dem Projekt ANIKA – Abwärmenutzung mittels integrierter Kläranlage – planen die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck, die Abwärme des Abwassers der zentralen Kläranlage Jena-Zwätzen für die Unternehmen im Gewerbegebiet Jena-Nord nutzbar zu machen.
Ob und wie sich das Vorhaben umsetzen lässt, zeigt eine aktuelle Machbarkeitsstudie, die im Auftrag der Stadtwerke Energie von der Dornier Gruppe erstellt wurde. Am Donnerstag, 14. August, wurde sie den Unternehmerinnen und Unternehmern der Interessengemeinschaft (IG) Jena-Nord sowie Stadtentwicklungsdezernent Dirk Lange vorgestellt. Fazit: ANIKA ist technisch, wirtschaftlich und rechtlich umsetzbar – und ein Anschluss für die Unternehmen vor Ort mit überschaubarem Aufwand verbunden.
Regionale Wärme, nachhaltig gedacht
Die Idee: Das gereinigte und ganzjährig mindestens 12 Grad Celsius warme Abwasser der zentralen Kläranlage wird über Großwärmepumpen in nutzbare Heizenergie verwandelt. Ein ergänzender Wärmespeicher und eine Power-to-Heat-Anlage sorgen bei schwankendem Bedarf für Versorgungssicherheit. Geplant ist, zunächst Unternehmen und Institutionen entlang der Wiesenstraße an das neue Wärmenetz anzuschließen. In Abhängigkeit zu den Entwicklungen der kommunalen Wärmeplanung ist perspektivisch auch eine Erweiterung in Richtung Wenigenjena/Tümplingviertel vorgesehen.
Machbarkeitsstudie schafft Planungssicherheit – positive Resonanz bei IG Jena-Nord
Die Machbarkeitsstudie diente als umfassende Vorprüfung: Dabei wurden unter anderem der derzeitige Bedarf der potenziellen Wärmeabnehmer sowie die zukünftige Netzinfrastruktur analysiert. In die Bewertung floss auch die Einhaltung geltender Genehmigungsvorgaben ein. Das wirtschaftlich nutzbare Wärmepotenzial wurde mit rund 120 Gigawattstunden pro Jahr beziffert – das entspricht dem durchschnittlichen Jahreswärmebedarf von etwa 10.000 Haushalten. Bei den Unternehmerinnen und Unternehmern aus Jena-Nord stießen die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie auf positive Resonanz.
Nun geht es in die nächste Phase: Die Stadtwerke Energie bereiten die Entwurfs- und Genehmigungsplanung vor und führen Gespräche mit Unternehmen und Behörden. In den kommenden Monaten folgen Ausschreibung und Vergabe. Baustart soll im Jahr 2028 sein. Die Inbetriebnahme von ANIKA ist für 2030 geplant.